22.01.2018, 08:25

Sm’Aesch-Pfeffingen auf dem Leaderthron – Schokolade und verbale Haue für Schiri

Au weia, Stav! Im Spitzenkampf zieht Sm’Aesch-Pfeffingen dem Schweizer Meister Volero Zürich in vier Sätzen (25:22, 24:26, 26:24, 25:23) den Zahn und erobert sich mit einer guten Leistung die Tabellenführung zurück. Volero-Boss Stav Jacobi übt nach dem Spiel harsche Kritik am Schiedsrichtergespann.

Dieses Volleyballspiel wird der Unparteiische Cédric Grellier aus Courfaivre so schnell wohl nicht mehr vergessen. Es beginnt gut, der Empfang ist herzlich: Anlässlich der „RESPECT“-Kampagne, die mehr Respekt und Fairness gegenüber Schiedsrichtern einfordert, überreicht Kapitän Tess von Piekartz dem Schiri ein kleines Präsent (Tafel Schokolade). Mit der „Week of the Referee“ vom 15.-21. Januar 2018 will Swiss Volley allen Schiedsrichtern einen speziellen Dank aussprechen und ihre Arbeit würdigen.

Das Duell zwischen den beiden letztjährigen Finalisten Sm’Aesch-Pfeffingen und Volero Zürich sorgt immer für Zündstoff, so auch diesmal – Punkt 17.00 Uhr, Anpfiff!

1.Satz: Es ist von Beginn weg ein offener Schlagabtausch, bei dem das Heimteam die Nase vorne hat. Das Zuspiel-Ass Tess von Piekartz legt die Bälle mustergültig für die starke Amerikanerin Nicole Walch und Nationalspielerin Maja Storck auf, die souverän abschliessen. Derweil spielt der Tabellenführer ohne die verletzte Rosir Calderon Diaz im Angriff harmlos. So ist es einmal mehr Topskorerin Storck, die dem Serienmeister den Zahn zieht und den Satzball zum 25:22 souverän verwertet!

2.Satz: Die Ohrfeige im ersten Satz hat Volero Zürich geweckt. Bis Satzmitte ist die Partie wieder ausgeglichen, dann wechselt Volero-Coach Avital Selinger die russische Nationalspielerin Angelina Lazarenko ein. Die Mittelblockerin ist derzeit in bestechender Form, hat auch in der Champions League gegen ASPTT Mulhouse für zahlreiche Glanzmomente gesorgt. Nicht zuletzt dank ihr kann Volero Zürich (glücklich) mit einem Netzroller den zweiten Satz 26:24 heimfahren. Durchatmen…

3.Satz: Die Teams schenken sich nichts, spielen auf dem gleichen Level. Die Zuschauer sind begeistert – die Präsidentin von Swiss Volley, Nora Willi, freut sich: „Das ist beste Werbung für das Schweizer Volleyball!“ Sm’Aesch-Pfeffingen spielt gross auf, doch Volero Zürich lässt sich nicht abschütteln. Beim Stand von 25:24 will Selinger die Schwedin Alexandra Lazic einwechseln, ruft sie herbei, doch sie bemerkt es zu spät. Das Spiel geht weiter und das Heimteam verwertet eiskalt zum 26:24 Satzgewinn – Selinger tobt und ist stinksauer auf seinen blonden Engel…

4.Satz: Jetzt hat der Vize-Meister einen Lauf und führt schnell 8:1 (!) – da gehen die Emotionen auf und neben dem Feld drunter und drüber. Stav Jacobi moniert fehlbare Schiedsrichter-Entscheidungen, diskutiert verärgert mit einheimischen Zuschauern, verlässt seinen Sitzplatz und schaut sich die Szenen nochmals auf Video an. Derweil bleibt Sm’Aesch-Pfeffingen cool und lässt nichts mehr anbrennen, schaukelt die Partie mit 25:23 sicher nach Hause. Aesch grüsst vier Wochen vor der Basler Fasnacht wieder von der Tabellenspitze!

Topskorerin Laura Unternährer analysiert: „Wir haben zu viele Fehler gemacht. Natürlich hätte uns Rosir Calderon Diaz helfen können, doch wir haben auch ohne sie schon gute Spiele gezeigt.“

Stav Jacobi ist sauer auf die Unparteiischen: Anstatt Schokolade gibt’s nun minutenlange verbale Haue für Schiri Grellier. Als Jacobi bemerkt, dass dieser ihn sprachlich nicht versteht, geht die Standpauke auf Englisch weiter. Zum Schluss reichen sich die beiden Volleyballfunktionäre fair die Hand und gehen im Frieden auseinander. Emotionen gehören eben zum Volleyball dazu!

Was hat Volero-Gentleman Stav Jacobi zum Vulkan werden lassen?

Und Stav Jacobi erklärt Volley1: „Der Schiedsrichter hat das Spiel dem Linienrichter überlassen. Und der Linienrichter hat mit dem Team von Sm’Aesch-Pfeffingen mitgespielt. Er hat das sicher nicht vorsätzlich gemacht – doch ein solcher lokaler Schiedsrichter sieht das, was er sehen will. Die Fehlentscheidungen sind spielentscheidend gewesen – der Schiedsrichter hätte den Linienrichter überstimmen müssen. Deshalb hat dieser Spielausgang einen faden Beigeschmack!“

Nach der zweiten Niederlage von Volero Zürich wird nun klar, dass der Meistertitel mit dieser Mannschaft kein Selbstläufer ist. Es ist davon auszugehen, dass Jacobi nochmals Verstärkung holen wird (Transferfenster bis 31. Januar). In Zürich träumt man von Olesia Rykhliuk, Foluke Akinradewo – oder läuft sogar Volleyball-Superstar Tijana Boskovic bald im Volero-Trikot auf?

Sm’Aesch-Pfeffingen jubelt, doch hebt nicht ab. Trainer Andreas Vollmer stapelt tief: „Die Mannschaft hat gut gespielt und praktisch immer geführt. Doch Meister werden wir deswegen nicht, das ist nicht realistisch. Ich muss los, ich werde heute Abend noch Videostudium vom Europacup-Gegner Stiinta Bacau machen…“

Text: Oliver Dütschler, Volley1