20.11.2017, 08:35

Düdingen verneigt sich vor „Dario dem Grossen“

Was für ein wildes Spiel! Das sind die Geschichten, die das Volleyball liebt! Die Power Cats bodigen Volero Zürich im Tie-Break (28:26, 23:25, 22:25, 25:20, 15:12) und krönen ihren Trainer Dario Bettello zu „Dario dem Grossen“.

Die Voraussetzungen hätten nicht unterschiedlicher sein können: Schweizer Meister Volero Zürich wird in der eigenen Halle von Sm’Aesch Pfeffingen mit 0:3 abgewatscht und die Power Cats vom TS Volley Düdingen, die sich für das Spitzenspiel gestern beim Aufsteiger VBC Galina Schaan mit 3:0 eingewärmt haben.

Und das volleyballverrückte Dorf (7.825 Einwohner) hat sich gerüstet: Bereits im „Top Shop“ bei der Agrola-Tankstelle mitten im Dorf werden die Kunden von einem Pappaufsteller der amerikanischen Mittelblockerin Sabel Moffett begrüsst und auf das Spitzenspiel der 9. Meisterschaftsrunde gegen Schweizer Meister Volero Zürich (402.762 Einwohner) hingewiesen. Auch die zahlreichen Werbebanner in der Sporthalle Leimacker sind ein Zeichen, wie gut der sympathische Verein im Dorf mit der Bevölkerung und dem lokalen Gewerbe verankert ist. Die Power Cats lieben Düdingen und Düdingen liebt seine Power Cats!

1. Satz: Beide Teams schenken sich nichts, fighten um jeden Ball. Bei Volero Zürich sind besonders die kubanische Topskorerin Rosir Calderon Diaz und Laura Unternährer auf Wiedergutmachung aus. Doch die Power Cats fauchen zurück, kämpfen, wollen die Wette für ihren Coach Dario Bettello (siehe Vorbericht Volley1) gewinnen. Die US-Amerikaner Danielle Harbin krallt sich den Satz für Düdingen 28:26. Puhhh, das war nervenstark, Power Cats!

2. Satz: Die Power Cats bleiben zu Beginn bissiger, punkten und beginnen zu tanzen. Auf der anderen Seite steht Volero-Präsident Stav Jacobi seelenruhig, scheinbar ratlos im Trainingsanzug bei den Ersatzspielerinnen. Doch dann schaltet die Truppe von Anderson Rodrigues zwei Gänge höher und Volero Zürich kommt wieder heran. Beim Stand von 23:23 die Schlüsselszene: Der Schiedsrichter gibt einen Punkt für das Heimteam – Satzball? Denkste. Nach einer Diskussion im Stile eines Kaffeekränzchen mit Kapitän Ana Antonijevic lässt er den Ball wiederholen. Sackschwach! Volero Zürich profitiert davon und holt sich den Satz doch noch mit 25:23.

3. Satz: Nach dem Kaffeekränzchen agiert nun Volero Zürich deutlich konzentrierter. Gleichzeitig schwinden die Kräfte bei den Power Cats, die nun viele unnötige Fehler in der Annahme und im Abschluss begehen. Das Trio Rosir Calderon Diaz, Laura Unternährer und die immer stärker werdende Gergana Dimitrowa haben nun die Oberhand, lassen sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen 25:22. Stav Jacobi ballt die Siegerfaust!

4. Satz: Es bleibt eine Nervenpartie, eine enge Kiste! Doch im entscheidenden Moment zeigt sich Libera Thays Deprati in Hochform und erreichen Scharfschützin Danielle Harbin Superkräfte – sie sorgt für den Unterschied. Cortney Felinski macht den Sack zu, die Halle steht Kopf und die Spielerinnen liegen sich in den Armen 25:20.

5. Satz: Tie Break! Nun treiben die 612 Zuschauer ihre Power Cats nach vorne. Es scheint, als bekommen Danielle Harbin, Courtney Felinski und Ines Gravonka die zweite Luft. Die Volero-Fans auf der Tribüne stöhnen: „Unsere Spielerinnen brauchen wohl einen Mentaltrainer…“ Auf der Trainerbank fuchtelt Anderson Rodrigues mit seinen Armen, versucht seine Mannschaft zu ordnen. Doch die Spielerinnen von Dario Bettello gewinnen für ihren Coach die Wette – Spiel, Satz, Sieg 15:12!

Nach dem Matchball erweist Düdingen den Power Cats mit ihrem Trainer Dario Bettello einer Standing Ovation die Ehre. Die Spielerinnen feiern, jubeln, tanzen, liegen sich in den Armen. Ein grosser Auftritt, der die Schweizer Meisterschaft richtig spannend werden lässt. Volero Zürich ist nicht mehr unverwundbar, die Mannschaft scheint nicht mehr die Qualität und Klasse der letzten Jahre zu haben.

„Dario dem Grossen“

Libera Thays Deprati überwältigt von den Gefühlen: „So eine geile Stimmung! Es ist gefühlt ganz Düdingen hier. Wir haben uns einen Traum erfüllt!“ Muss nun Trainer Dario Bettello in „Dario der Grosse“ umgetauft werden? „Oh ja, unser Trainer ist 1000 Prozent aktiv – wir haben Grosses geleistet“, so Deprati. Und die beste Spielerin auf dem Platz Danielle Harbin ergänzt: „Wir spielen gut und unterstützen einander auf dem Spielfeld. Jetzt wollen wir Schweizer Meister werden!“ Eine Kampfansage, die ankommt…

„Dario der Grosse“ hat die Wette mit Volley1 gewonnen, ist zufrieden und bleibt trotzdem bescheiden: „Ich muss meiner Mannschaft ein grosses Kompliment machen. Speziell wie sie nach dem zweiten Satz wieder zurück in die Partie gefunden hat, ist stark. Ich vertraue meinen Spielerinnen und es ist schön zu sehen, dass sie mit Selbstvertrauen, Spass und Motivation bei der Sache sind.“

Katerstimmung hingegen bei Volero Zürich

An einem Wochenende zwei Niederlagen, das hätte wohl niemand für möglich gehalten. Die Spielerinnen haben sich den Zorn von Präsident Stav Jacobi zugezogen, müssen sich nach der Schlusssirene eine Standpauke anhören und verlassen im Anschluss die Halle wie geschlagene Hunde. Es scheint, dass die Message angekommen ist.

Stav Jacobi zu Volley1: „Sportlich hat diese Niederlage keine Konsequenzen. Doch das Team darf nicht so auftreten. Ich werde die Spielerinnen nun auch ausserhalb des Spielfelds unter Druck setzen. Da habe ich schon meine Methoden…“

Rummms! Die Spielerinnen von Volero Zürich müssen sich auf frostige Zeiten gefasst machen!

Text: Oliver Dütschler, Volley1


Matchtelegramm

TS Volley Düdingen - Volero Zürich  (28:26, 23:25, 22:25, 25:20, 15:12)
Sporthalle Im Birch: 612 Zuschauer. SR Grellier/Francois

Volero Zürich: Lazarenko, Sievänen, Milojevic, Dimitrova, Schottroff, Antonijevic, Popovic, Todorova, Caldeorn Diaz, Kornienko, Lengweiler, Unternährer

Sm'Aesch Pfeffingen: Becker, Harbin, Widmer, Deprati, Felinski, Marx, Marbach, Gfeller, Granvorka, Rottaris, Knutti, Moffett

MVP: Danielle Harbin, TS Volley Düdingen (35 Punkte)


> Statistik als PDF herunterladen