05.11.2017, 21:00

One Team, One Spirit! Hard-Rock-Girls rocken Volley Lugano von der Bühne

One Team, One Spirit! Hard-Rock-Girls rocken Volley Lugano von der Bühne

Die Hard-Rock-Band Gotthard aus Lugano stürmt mit ihren einzigartigen Songs die Charts, begeistern die Massen weit über die Landesgrenzen hinaus und schreiben seit fast 30 Jahren Schweizer Musikgeschichte. Ausgerechnet in Gotthards Heimatstadt rockt Volero Zürich das Heimteam von Volley Lugano in drei Sätzen (25:11, 25:23, 25:22) von der Bühne.

Beim ersten Anblick machen Rosir Diaz Calderon, Laura Unternährer, Ana Antonijevic, Ljubica Milojevic, Anastasia Kornienko, Julie Lengweiler wohl eher der britischen Pop-Girlgroup Spice Girls Konkurrenz – doch wer beim souveränen Auftritt in Lugano genau hingeschaut hat, weiss dass die Mannschaft von Anderson Rodrigues auf den Spuren von Gotthard wandert…

„Let it rain, till the sun comes back again“

In der Sonnenstube der Schweiz giesst es den ganzen Tag wie aus Kübeln, die malerische Bilderbuch-Landschaft ist nicht zu wiederzuerkennen und auch der Tessiner Hausberg Monte Ceneri versteckt sich hinter grauen Wolkenschwaden. Die Sonne kommt nach 85 Minuten und dem durch Laura Unternährer souverän verwandelten Matchball immerhin für Volero Zürich zum Vorschein – für die beherzt auftretende und für das geleistete Engagement schlecht belohnte Truppe von Lugano-Trainer Tony Zisa bleibt es ein Tag zum Vergessen…

„Anytime, Anywhere“

Die Startniederlage gegen Kanti Schaffhausen hat den Schweizer Meister Volero Zürich wachgerüttelt und als Mannschaft noch enger üzusammengeschweisst. Die Spielphilosophie von Startrainer Anderson Rodrigues ist allmählich in den Köpfen der Spielerinnen verankert. Die Folge: Egal wann, wo und gegen welchen Gegner – die Girls aus der Limmatstadt räumen derzeit alles aus dem Weg, was ihnen in die Quere kommt und stürmen unaufhaltsam in an die Tabellenspitze.

„One Team, One Spirit“

Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist der hervorragende Mannschaftszusammenhalt. Der Präsident Stav Jacobi handelt stets mit Sinn und Verstand, spricht im Tages-Anzeiger von einem Zwischenjahr und nimmt so Erfolgsdruck vom jungen Team. Und er setzt mit Anderson Rodrigues einen smarten, intelligenten Trainer auf die Trainerbank – einen Fachmann, der durch taktisches Spielverständnis und hoher Sozialkompetenz überzeugt; einer, der weiss, welche Qualitäten es braucht, um internationale Titel zu gewinnen.

„Tears to Cry“

Der Gastgeber Volley Lugano zeigt am Vortag beim VBC Cheseaux eine reife Leistung, siegt nach drei Sätzen klar und deutlich. Doch gegen die Hard-Rock-Girls von Volero Zürich agieren die Tessinerinnen eher wie Vico Torriani, wenn er aus voller inbrunst „La Pastorella“ zum Besten gegeben hat. Engagiert und kräftig. Doch die Niederlage ist für Lugano kein Grund Trübsal zu blasen. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand und gehen weiter unseren Weg“, sagt Kapitän Sarah Trösch. Brisant: Morgen arbeitet sie wieder als Animateurin für Senioren in einem Altersheim und geht anschliessend ins Training.

Die Mannschaft von Volero Zürich tritt als geschlossene Einheit auf. Angeführt durch die Drummer Rosir Diaz Calderon und Laura Unternährer, die für die bevorstehende EM-Qualifikation der Schweizer Nationalmannschaft leider nicht zur Verfügung stehen wird, spielt sich der amtierende Schweizer Meister in einen Spielrausch. Besonders dynamisch auch Nationalspielerin Julie Lengweiler, die morgen ihren 19. Geburtstag feiert und erstmals in den Volley1-Top3 berücksichtigt wird.Die Zuspielerinnen Ana Antonijevic überzeugt einmal mehr mit starken Zuspielen (Anastasia Kornienko ohne Einsatzzeit), derweil ihre Mitspielerinnen „Miracle“ Mira Todorova und Angelina Lazarenko am Block gnadenlos abräumen. Erfreulich auch, dass die Schwedin mit dem Engelsblick Alexandra Lazic wieder bei der Mannschaft ist, obwohl sie noch Schmerzen im Fuss verspürt.

Bei Lugano sticht Ellen Grazielle Saldanha Do Amaral und Nikolina Maros aus einem soliden und mehrheitlich kompakten Kollektiv hervor. Insbesondere Fehler bei der Annahme sorgen jedoch dafür, dass die Tessinerinnen nicht wie gewünscht ins Spiel finden. Es ist jedoch als positiv zu bewerten, dass die Spielerinnen mit Kampf und Engagement bemüht sind, die taktischen Vorgaben ihres Trainers auf dem Platz umzusetzen. Zisa gefasst: „Ich bin mir dem Resultat nicht zufrieden, doch Wir haben gegen einen starken Gegner verloren.“ Wenn es Volley Lugano weiter gelingt, die Fehlerquote zu senken, verfügt diese Mannschaft zweifellos über das Potential, um einen Europacup-Platz ein ernstes Wort mitzureden.

Text: Oliver Dütschler, Volley1


Matchtelegramm

Volley Lugano - Volero Zürich 0:3 (11:25, 23:25, 22:25)
Lamberthengi: 225 Zuschauer. SR Becker/Bärtsch

Volero Zürich: Lazarenko, Milojevic, Dimitrova, Schottroff, Antonijevic, Popovic (L), Todorova, Calderon Diaz, Kornienko, Lengweiler, Unternährer, Lazic

Volley Lugano: Zini (L), Torterolo, Pulcini, Amaral, Galic, Gonzalez, Borelli, Fanelli, Einarsdottir, Trösch, Rossi, Maros

MVP: Laura Unternährer, Volero Zürich (20 Punkte)


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