21.10.2017, 22:30

Miracle! Mira Todorova blockt Volero Zürich zum Sieg

Meisterschaftsspiel Volero

Der Meisterschaftsfavorit Volero Zürich gewinnt gegen Edelline Köniz mit einer überragenden Mira Todorova souverän in 4 Sätzen (25:18, 25:11, 22:25, 25:16)– gleichzeitig verlieren sie Nationalspielerin Gabi Schottroff (Mittelblock).

Die Mannschaft von Volero Zürich hat sich nach der unglücklichen Niederlage (nach 185 Spielen in Folge) gegen Kanti Schaffhausen viel Kritik, Häme und Spott anhören müssen. Bereits unmittelbar nach der Niederlage hat Bojan Simurina, einer der mächtigsten Personen in der Volleyballszene, eine Brandrede zur Mannschaft gehalten und eindringlich an die Verantwortung jeder einzelnen Spielerinnen appelliert. Am Dienstagabend nach dem Training richtet sich dann auch Präsident Stav Jacobi an das Team und legt seine Sicht der aktuellen Situation nochmals klar und deutlich dar. Am Folgetag kommuniziert der Verein, dass die Europameisterin Bojana Zivkovic (Zuspielerin) an das Partnerteam nach Le Cannet (Fr) ausgeliehen wird. Und für das erste Heimspiel gegen Edelline Köniz spendiert der Verein Gratiseintritt für alle Zuschauer.

Mit diesem Vorgehen beweist Stav Jacobi einmal mehr, dass er nicht nur zu den kompetentesten Volleyballexperten gehört, sondern auch ein hervorragendes Gespür für den Puls der Mannschaft hat. Er ist Realist genug, um zu wissen, dass diese Mannschaft die Champions League nicht gewinnen kann. Auch in der nationalen Meisterschaft kann es (wie bei jedem Spitzenteam) mal wieder einen Rückschritt geben. Und trotzdem wagt er das Experiment mit Anderson Rodrigues einen hochintellektuellen Strategen an die Linie zu stellen, der neue Impulse, frischen Wind in das junge Team reinbringen kann und wird.

Als das Experiment vergangene Woche ein erstes Mal scheitert, da bei der Abstimmung noch nicht alles passt, agiert Jacobi weise und vorausschauend, lässt die Spielerinnen zuerst von Simurina ins Gebet nehmen, um dann nach dem nötigen Abstand zum Spiel der Mannschaft selber seine Sicht der Dinge mitzuteilen. Damit nicht genug: Jacobi ist auch ein hochintelligenter taktischer Stratege. Er leiht Bojana Zivkovic aus, dürfte dafür eine stattliche Ausleihsumme kassieren und setzt dabei gleichzeitig ein klares Zeichen, dass er auf die jungen Spielerinnen setzt und ihnen mehr Verantwortung gibt. Mit Ana Antonjevic und Anastasia Kornienkohaben die Zürcherinnen immer noch zwei hervorragende Zuspielerinnen in ihren Reihen. Er fordert und fördert eben seine Spielerinnen, die er so gerne als „zweite Familie“ bezeichnet. Eine Meisterleistung auf höchstem Niveau!

Der 1. Satz beginnt für Volero Zürich mit Pech: Die Mittelblockerin Gabi Schottroff scheidet bereits nach zwei Minuten verletzt aus. Für sie kommt Julie Lengweiler zum Einsatz. Volero dominiert das Spiel und zwingt die ebenfalls punktelosen Gäste von Edelline Köniz zu vielen Fehlern. Besonders die Bulgarin „Miracle“ Mira Todorova, die letzte Woche noch auf der Tribüne geschmort hat, bringt frischen Wind in die Mannschaft. Nach einer knappen halben Stunde ist der Satz mit 25:18 in trockenen Tüchern.

Im 2. Satz geht es im gleichen Stil weiter. Insbesondere glänzen Mira Todorova im Mittelblock, aber auch Silvia Popovic als ruhender Pol in der Annahme, Ana Antonjevic mit butterweichen Zuspielen und Rosir Diaz Calderon und Laura Unternährer als eiskalte Vollstreckerinnen – das Resultat 25:11 für Volero Zürich.

Im 3. Satz schafft Edelline Köniz die Wende. Angeführt von der Nationalspielerin aus Estland, Nette Peit, schafft es Köniz durch eine kämpferische Teamleistung den Satz zu gewinnen 25:22. Bricht Volero Zürich nun auseinander? Denkste…

Der 4. Satz wird zum Schaulaufen für das Heimteam. Die Gäste sind zwar bemüht, doch machen nicht den Eindruck, dass sich die Partie noch wenden können. Nach 102 Minuten verwertet Laura Unternährer den 2. Matchball den Matchball sicher 25:16 – Spiel, Satz, Sieg!

Das Team von Volero Zürich zeigt nach der Niederlage eine eindrucksvolle Reaktion und lässt die Gäste aus der Region Bern mit Ausnahme des 3. Satzes zu keinem Zeitpunkt in die Partie kommen. Die Monsterblocks von Mira Todorova eine Augenweide, Ana Antonjevic eine Bank, Ljubica Milojevic mit viel Power, Silvia Popovic ein sicherer Wert in der Defense, Rosir Diaz Calderon und Laura Unternährer punkten am Laufmeter und auch Nationalspielerin Julie Lengweiler findet sofort ihre Rolle im Team.

Anders sieht es bei Edelline Köniz aus, bei denen die Führungsspielerinnen Barbara Duarte und Nette Peit nicht recht auf Touren kommen. In der Annahme zu viele Fehler und im Angriff zumeist harmlos – dem Team von Algris Letis werden gegen den Serienmeister die Grenzen deutlich aufgezeigt.

Text: Oliver Dütschler, Volley1