16.10.2017, 11:15

Schaffhausen steht Kopf! Kanti zwingt Volero Zürich in die Knie

Volero Zürich verliert den Saisonauftakt 2017 18 gegen VC Kanti Schaffhausen

Bild: Facebookseite "Impressionen VC Kanti Schaffhausen"

Der helle Wahnsinn! Die BBC Arena erlebt eine Standing Ovation der 421 Zuschauer, die Spielerinnen jubeln, singen, tanzen – Kanti Schaffhausen sorgt am 1. Spieltag für eine Riesenüberraschung und zwingt den Schweizer Meister Volero Zürich mit 3:2 Sätzen (24:26, 25:10, 19:25, 29:27, 16:14) in die Knie– chapeau!

Was haben Real Madrid, Bayern München und Juventus Turin mit Volero Zürich gemeinsam? Sie dominieren die Liga seit Jahren nach Belieben und werden von den Gegnern auf Teufel komm raus gejagt. Wenn Volero Zürich auf der anderen Netzseite steht, erstarren so manche Spielerinnen aus Ehrfurcht – wenn es dann aber los geht, ist man doppelt so motiviert, wächst über sich hinaus und setzt übernatürliche Kräfte frei, um den Krösus der Liga zu schlagen. Auch wenn sich niemand traut, es öffentlich zu sagen: Ein Sieg gegen Volero Zürich ist gleichbedeutend mit einem „Mini-Meistertitel“, der nicht nur drei Punkte bringt, sondern unglaubliches Selbstvertrauen für alle bevorstehenden Herausforderungen.

„Mini-Meistertitel“ für die Munotstadt

Bereits im 1. Satz spielt die Mannschaft von Nicki Neubauer gross auf, hat einen Satzball, den sie aber nicht nutzen kann – die kubanische Weltklassespielerin Rosir Diaz Calderon spuckt dem Heimteam in die Suppe – 26:24 Satzgewinn für Volero Zürich.

Im 2. Satz spielt sich Kanti Schaffhausen den Frust des Satzverlustes von der Seele. Gleichzeitig passieren auf Seiten der Zürcherinnen mehrere unnötige Fehler in der Verteidigung und im Angriff; der Gastgeber spielt sich in einen Spielrausch und gewinnt den Satz mit 25:10 Punkten – starke Leistung!

Vor dem 3. Satz versammelt die serbische Olympia-Silbermedaillengewinnerin Silvia Popovic ihre Teamkolleginnen um sich, spricht Tacheles und schwört sie auf den bevorstehenden Satz ein. Jeder Trainer auf der Welt wünscht sich eine solche führungsstarke, verantwortungsvolle Spielerin wie Popovic in seinen Reihen. Die Folge: Volero Zürich gewinnt den Satz mit 25:19.

Im 4. Satz sieht Volero Zürich bereits wie der Sieger aus, hat beim Stand von 24:23 sogar einen Matchball. Doch die beste Spielerin auf Seiten des Heimteams, Topskorerin Natalia Cukseeva, läuft nun zu Hochform auf und sorgt dafür, dass Kanti Schaffhausen das vermeintlich Unmögliche möglich machen kann – 29:27-Satzgewinn!

Der 5. Satz soll die Entscheidung bringen und auch hier ist es für beide Teams ein Auf und Ab – die Spannung kaum auszuhalten. Eine Standing Ovation beim Matchball für die Munotstädter – und der entscheidende Punkt 16:14, es ist geschafft! Ein Sieg und ein „Mini-Meistertitel“ für das Team von Kanti Schaffhausen. Für die Zürcherinnen ist es die erste Niederlage seit dem 29. Januar 2012 und 185 Siegen in Folge.

Bei Kanti Schaffhausen glänzen insbesondere Natalia Cukseeva, die in schwierigen Situation wiederholt „Big Points“ gelandet hat, und auch die die US-Amerikanerin Chantale Riddle (als beste Spielerin ausgezeichnet) hat immer wieder gute Aktionen. „Ich bin immer noch geschockt, dass wir dieses grosse Volero Zürich besiegt haben“, sagt die frühere Sozialarbeiterin Riddle.

Erfreulich auch der Auftritt von der 18-jährigen Marija Smiljkovic, die eine tadellose Partie zeigt und auch für die A-Nationalmannschaft zum Thema werden könnte. Nati-Trainer Timo Lippuner hat sie im Auge und sagt zu Volley1: „Eine junge und ehrgeizige Spielerin, die auf meiner Liste steht. Wenn sie weiterhin hart an sich arbeitet, wird sie früher oder später aufgeboten.“ Brisant: Smiljkovic studiert an der Universität in… Zürich Volkswirtschaft und Umweltwissenschaft, pendelt täglich zwischen Zürich (Uni) und Schaffhausen (Training) hin und her. „Ich bin glücklich und geehrt Teil dieses historischen Erfolgs zu sein. Meine Lieblingsspielerin ist Milena Rasic, aber auch Laura Unternährer finde ich sehr gut.“ Und jetzt noch Party? „Nein, ich muss morgens um 8 Uhr wieder an der Uni sein. Auf dem Programm steht Mathematik, Rechnungswesen und Banking&Finance…“

Bei Volero Zürich ist Rosir Diaz Calderon herauszuheben, die zweifellos zu den weltbesten Spielerinnen gehört. Ana Antonijevic verleiht der Mannschaft mit ihrer Erfahrung zusätzliche Stabilität und Silvia Popovic ist in jeder Hinsicht ein Glücksfall für das Team. Auch Anastasia Kornienko zeichnet sich durch eine hervorragende Technik aus. Gut möglich, dass auch eine stämmige Spielerin wie Mira Todorova, die auf der Tribüne sitzt, dem Spiel noch wertvolle Impulse hätte geben können. Trainer Anderson Rodrigues zeigt Mut und setzt auch auf die Jungen wie Julie Lengweiler, Ljubica Milojevic und Angelina Lazarenko – das zeichnet einen Spitzentrainer aus und ist die Saat für langfristige Erfolge von Volero Zürich.

Fazit

Trainer Nicki Neubauer (Kanti Schaffhausen): „Ich denke, der Sieg ist nicht gestohlen. Wir haben von Anfang an Druck gemacht. Aber Volero Zürich wird stärker werden, die Spielerinnen sind erst seit 10 Tagen alle zusammen. Ich habe gewusst, dass wir ein gutes Spiel machen können, aber natürlich nicht mit dem Sieg gerechnet. Jetzt sind die anderen Team auf jeden Fall vor uns gewarnt. Gegen Volero Zürich hat man nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen!“

Volley1 -Top 3: 1. Rosir Diaz Calderon (Volero Zürich), 2.Natalia Cukseeva (Kanti Schaffhausen), 3. Marija Smiljkovic (Kanti Schaffhausen)

 

© Volley1, Dütschler Oliver